Vegan auf Gran Canaria

So. Ich bin wieder da. 🙂 Habe mich überreden lassen, Weihnachten und Neujahr auf Gran Canaria zu verbringen. Da ich mir vorher durchaus Gedanken gemacht habe, ob ich da überhaupt etwas zu essen bekomme, hatte ich vor der Abreise das Internet durchforstet, aber nicht viel gefunden, deshalb kommt heute einmal ein ausführlicher kulinarischer Reisebericht.

Soviel vorweg: Es ist einfach, sich auf Gran Canaria vegan zu ernähren. WENN man eine eigene Küche hat. Glücklicherweise hatte ich das schon vorher geahnt und darauf bestanden, dass unsere Finca in den Bergen, fernab des Massentourismus mit diesem Feature aufwarten kann.

Kaktusfeigen im Garten...

... und Orangen! (leider noch nicht ganz reif)

In den Restaurants gibt es nicht viel Auswahl. In Las Palmas gibt es zwar Restaurants mit vegetarischem Angebot, was vegan bedeutet weiß aber auch scheinbar niemand, so dass man letzten Endes nie weiß, ob man nicht doch Milch, Eier oder Honig verspeist. Wir hatten vorher auf Happycow geschaut, aber der Burger bei ‚Natural Burguer‘ war höchstens mittelmäßig, das einzige vegetarische Restaurant, ‚Bambu‘, war dauernd dicht und die Kellner bei ‚Te lo dijo Pérez‘ (Veggie-Tip aus dem Lonely Planet) in Las Palmas waren zwar sehr sympathisch, unterhaltsam und hilfreich, aber auf der Karte gab es auch nur 2 (vermutlich) vegane Speisen, nämlich Nachos mit Sauce und den Palmherzensalat. Insgesamt hat Essen gehen nicht viel Spaß gemacht, leider.

Feines Finca Frühstück (selbst gemacht, aber nicht von mir! :-))

Immerhin gibt es ein paar vegane Gerichte, die es in jedem Restaurant gibt. Das Brot ist meistens vegan, mit Olivenöl und etwas Salz ist das lecker, ersetzt aber nicht ernsthaft eine Mahlzeit. Knoblauchbrot hingegen wird auch dort mit Butter beschmiert. Was aber, soweit ich das abschätzen kann, immer geht, ist eine typisch kanarische Vorspeise, nämlich Kartoffeln mit Mojo picón, einer roten Kräutersauce auf Essig/Öl-Basis. Die Kartoffeln werden mit Schale in so stark gesalzenem Wasser gekocht, dass es eine Salzkruste drum herum gibt. Schmeckt, je nach Fähigkeit des Koches, sogar ganz lecker, aber jeden Tag 2x möchte man das irgendwie auch nicht essen den ganzen Urlaub lang. Als Notlösung ist es aber brauchbar – man wird wenigstens satt.

Kartoffeln mit Mojo picón

Wer hingegen eine eigene Küche hat, hat was zum drauf freuen: Es gibt nicht nur sehr frisches Gemüse und Obst auf der Insel (und das eigentlich überall, zum Teil auch an Ständen an der Straße, einfach Geld hinlegen und Obst mitnehmen! Wer sich traut, kann auch einfach die Kaktusfeigen pflücken, die überall wachsen, Vorsicht, Arbeitshandschuhe und Pinzette mitnehmen! 🙂 ), sondern, wenn man die Augen offen hält, auch allerlei höchst interessantes veganes Zeugs, das man hier nicht unbedingt bekommt. Seitan, Sojafleisch, Tofu und vegane Würstchen und Pasten (z.B. auf Oliven- oder Artischockenbasis) gibt es häufig beim (größeren) ‚Herbolario‘, einer Art Reformhaus. Oder natürlich im Bioladen, aber die sind etwas rarer gesät.

Mein Lieblingsseitan ❤

Interessanterweise führt aber jeder winzige Supermarkt, der Milchprodukte führt, mindestens 3 Sorten Sojajoghurt. Besonders gut war die Auswahl beim HiperDino. Es sah mir gefährlich danach aus, als wäre Spanien momentan geradezu davon besessen, möglichst viele Sojaprodukte zu verzehren, um Cholesterin einzusparen. Auch Sojamilch gab es fast überall, auch als Kakao oder Vanille oder – witzigerweise (ich hab’s aber nicht probiert) – in der Sorte Zitrone-Zimt. Wer mal etwas neues probieren möchte, sollte unbedingt den Supermarkt unten in ‚El Corte Inglès‘ in Las Palmas aufsuchen. Dort gibt es neben dem bisher Geschilderten auch geniale Produkte wie Macadamia-Milch und Goji-Beeren-Saft, was uns, wie ich mal ganz unbescheiden sagen muss, zum besten nicht-alkoholischen Cocktail aller Zeiten inspirierte. 🙂 Abgeschmeckt mit etwas Palmhonig (kein Honig, sondern eingekochter Sirup von den Palmen, die überall wachsen) absolut genial! Überhaupt ist die Auswahl an Fruchtsäften gut, häufig gibt es die auch frisch gepresst oder gemixt an Ständen. Von meinem Mango-Smoothie hätte ich zwar fast eine Gehirnvereisung bekommen, lecker war er aber schon! 🙂

Macadamiamilch mit Gojibeerensaft!

Übrigens – wer auf Süßes steht, sollte unbedingt auch einmal in Tejeda vorbeischauen. Die Dulceria vor Ort ist legendär und bekannt für ihre Mandelspezialitäten. Auf Nachfrage in meinem ebenfalls legendären Spanisch (in diesem Fall keine so positiv besetzte Legende… 😉 ) ob es auch etwas ohne Milch und Eier gebe, bekam ich einen Berg Mandeln mit dickem Zuckerguss, der das ganze wie unkaramelisiertes Krokant zusammenhielt. Nachdem wir am Tag vorher schon die halluzinogene Dosis Knoblauch bekommen hatten, war ich nach dem Ding voll auf Zucker und kaum mehr fahrtüchtig. Ich rate zur Vorsicht, diese Teile sind nicht ohne! 🙂 Mit ein paar mehr Zutaten, aber trotzdem vegan (fiel der guten Frau vermutlich gerade nicht ein) sind Almendras Rellenas. Die gibt es auch nicht nur in der Dulceria persönlich, sondern sie sind auf der ganzen Insel zu finden.

Almendras Rellenas

Mein neues Lieblingsprodukt ist aber geräuchertes Paprikagewürz, das ich auch in dem großen Supermarkt unter ‚El Corte Inglès‘ gefunden habe. Auf angebratenem Seitan mit Knoblauch, Avocado und Tomate auf Brot… unschlagbar! Die Mojos passen auch gut dazu – zum bereits genannten roten Mojo picón gibt es auch noch Mojo verde, das angeblich etwas weniger scharf ist, aber in der Schärfe konnte ich keinen Unterschied feststellen, die waren beide sehr mild. Es gibt noch viel mehr Mojos, vor allem Koriander und Knoblauch, da kann man nichts falsch machen (außer man mag keinen Koriander…)

Brot mit gerösteter Paprika und Seitan.

Wer sich jetzt ärgert, weil er NICHT zu den Leuten gehört, die im Internet Infos für ihren jetzt anstehenden Urlaub auf Gran Canaria suchen und auch gern ein bisschen Urlaub nach Hause haben möchte, der sei beruhigt. Nur für den Fall, dass wir nichts ordentliches kriegen, haben wir uns eine vegane Wheaty-Chorizo-Eule mit nach Athen getragen. Unglaublich lecker und beim veganen Versand deines Vertrauens erhältlich. 🙂

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4 responses to “Vegan auf Gran Canaria

  • Suldiaa S.Stoltenbeg-Theilkäs

    Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Bericht, nach so was habe ich
    gesucht bevor ich dahin Reise… Danke!
    S.Stoltenberg-Theilkäs

    Januar 3, 2012
    Vegan auf Gran Canaria

    • Flicki

      Freut mich! Viel Spaß auf der Insel!

      • monika jansen

        Hallo
        möchte mit meinen Hunden auf Gran canaria überwintern..
        könnt ihr mir ein paar Tipps geben.. ob ich günstig was finden kann.
        gerne etwas abgelegen.. Tiere u. ich sind vegan

        Lieben Gruß Moja

  • Constance

    Danke für deine Tipps! Den Supermarkt „El Corte Inglés“ werde ich definitiv mal aufsuchen. Bin hier nur leider am anderen Ende der Insel (Porte de Mogan) und da gibt’s ausser Sojamilch absolut nichts „besonderes“. Also kein Granulat, keinen Joghurt, kein Seitan, kein Quinoa. Aber Lupinen im Glas habe ich entdeckt. Allerdings haben die noch die hartes Schale dran. Und wenn man sich á la Aschenputtel an die Arbeit macht, diese zu entfernen, kann man die Lupinen hacken und sie wie Hackfleisch verwenden. Bisschen fester, aber super lecker und mega viel Protein.

    Muchos Saludos!
    Donna Constanca ;P

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